
Die Kanaren reizen mit zwei Dingen: einem ganzjährig milden Klima und einem eigenen Steuer- und Wirtschaftsregime, das es so im Rest Spaniens nicht gibt. Ein Steuerparadies sind die Inseln deshalb nicht. Die Einkommensteuer gilt wie überall, die Vorteile liegen bei den indirekten Steuern und an Bedingungen geknüpften Anreizen.
Hinzu kommt die Inselwahl. Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura sind sehr verschiedene Orte mit eigener deutscher Community und eigenem Charakter. Wer auf die Kanaren auswandert, trifft also zwei tragende Entscheidungen parallel: für eine Insel und für ein steuerliches Setup, das zur eigenen Lage passt.
Die Kanaren passen zu Menschen, die ein konstant mildes Klima ohne echte Jahreszeiten wollen, zu Rentnern, zu Remote-Workern und zu Selbstständigen oder Unternehmern, die vom kanarischen Steuerregime profitieren können. Wer dagegen auf einen lokalen Job angewiesen ist, sollte vorsichtig planen: Die Kanaren haben die niedrigsten Durchschnittsgehälter Spaniens, und der Arbeitsmarkt hängt stark am Tourismus.
Der gesamte Archipel hatte zum 1. Januar 2025 rund 2,26 Millionen Einwohner (ISTAC, der statistische Dienst der Kanaren). Etwa 23,5 Prozent der Bevölkerung sind im Ausland geboren, deutlich über dem spanischen Schnitt. Die größten Ausländergruppen stellen Venezuela, Kuba, Kolumbien und Italien, gefolgt von Briten und Deutschen.
Eine exakte, aktuelle Gesamtzahl der gemeldeten Deutschen auf den Kanaren ist statistisch schwer zu fassen und wird hier bewusst nicht behauptet. Klar ist die Verteilung: Der Schwerpunkt der deutschen Community liegt im Süden Teneriffas, mit kleineren Konzentrationen auf Lanzarote und Fuerteventura. Auf Gran Canaria ist der deutsche Anteil vergleichsweise gering.
Die Insellage ist auf den Kanaren keine Formsache, sondern die Grundsatzentscheidung. Vier Inseln dominieren bei Auswanderern. Teneriffa hat einen eigenen ausführlichen Leitfaden, deshalb steht es hier nur kurz; den vollständigen Realitätscheck mit Nord-Süd-Vergleich, Orten, Mieten und Schulen liefert der Guide zum Auswandern auf Teneriffa.
| Insel | Charakter | Deutsche Community | Eignung |
|---|---|---|---|
| Teneriffa | Größte Insel, grüner Norden gegen sonnigen Süden, Stadt und Natur | Größte der Kanaren, klar im Süden (Costa Adeje, Los Cristianos) | Familien (deutsche Schule), Rentner, Remote |
| Gran Canaria | Zweitgrößte, urban um Las Palmas, viele Mikroklimata, lebendige Stadt | Vorhanden, aber kleinerer Anteil als auf den übrigen Hauptinseln | Stadtleben, Remote-Worker, ganzjährig Berufstätige |
| Lanzarote | Vulkanlandschaft, ruhig, geschützte Architektur, weniger touristische Hektik | Schwerpunkte Playa Blanca und Costa Teguise | Rentner und Ruhesuchende, kleinere Familien |
| Fuerteventura | Lange Strände, viel Wind, Wassersport, dünn besiedelt | Wachsend, verteilt (u. a. Corralejo, Jandía) | Wassersportler, Remote-Worker, Naturnahe |
Gran Canaria verdient einen eigenen Hinweis: Die Insel kombiniert mit Las Palmas eine echte Großstadt, eine bekannte Coworking- und Remote-Szene und sehr unterschiedliche Klimazonen auf engem Raum. Ein eigener Gran-Canaria-Guide ist in Vorbereitung und wird hier ergänzt, sobald er erscheint.
Für die kleineren Inseln La Palma, La Gomera und El Hierro gilt: mehr Ruhe und Natur, dafür dünnere Infrastruktur, weniger deutschsprachige Angebote und schlechtere Direktanbindung nach Deutschland.
Der wirtschaftliche Kernunterschied zum Festland ist das Wirtschafts- und Steuersonderregime der Kanaren (Régimen Económico y Fiscal, REF). Es ist ein von der EU genehmigter Rahmen, der die Sonderregeln und Investitionsanreize der Inseln bündelt und in eigenen Gesetzen verankert ist. Den offiziellen Überblick gibt das Régimen Económico y Fiscal beim Gobierno de Canarias.
Vor den Details ein wichtiger Punkt zur Erwartung: Die Kanaren sind kein Steuerparadies. Die Einkommensteuer (IRPF) gilt für Residenten ganz normal wie im Rest Spaniens, mit denselben Tarifen und Pflichten. Die Vorteile betreffen indirekte Steuern und an Bedingungen geknüpfte Anreize für Investitionen und Unternehmen, nicht das private Gehalt oder die Rente.
| Regime | Satz / Vorteil | Für wen | Wichtigste Bedingung |
|---|---|---|---|
| IGIC (kanarische Mehrwertsteuer, Impuesto General Indirecto Canario) | Allgemeiner Satz 7 % statt 21 % IVA; ermäßigt 3 %; bestimmte Güter 0 % | Alle (jeder Einkauf, jede Rechnung) | Erklärung an die Agencia Tributaria Canaria, nicht an die AEAT |
| RIC (Investitionsrücklage, Reserva para Inversiones en Canarias) | Bis zu 90 % des nicht ausgeschütteten Gewinns mindern die Steuerbasis | Firmen und Selbstständige mit Gewinn auf den Inseln | Reinvestition auf den Kanaren binnen drei Jahren |
| ZEC (Sonderzone, Zona Especial Canaria) | 4 % Körperschaftsteuer statt allgemein 25 % | Qualifizierende Unternehmen mit Substanz vor Ort | Mindestinvestition und Mindestbeschäftigung, Registereintrag |
IGIC. Der kanarische Mehrwertsteuer-Ersatz hat einen allgemeinen Satz von 7 Prozent statt der 21 Prozent IVA auf dem Festland. Daneben gibt es ermäßigte Sätze, vor allem 3 Prozent (unter anderem für Personenverkehr, Gastronomie und Hotellerie sowie bestimmte Reparaturen) und einen Nullsatz für Grundnahrungsmittel wie Brot, Milch, Eier, Mehl, Obst und Gemüse sowie für Arzneimittel, Bücher und geschützten Wohnraum. Ab 2026 gelten kleinere Anpassungen, etwa ein neuer Satz von 1 Prozent auf Erdölprodukte. Die Sätze und Modelle (420 und 425) führt die Agencia Tributaria Canaria, bei der auch erklärt wird, nicht beim spanischen Finanzamt.
RIC. Die Investitionsrücklage erlaubt Firmen und Selbstständigen, einen großen Teil des nicht ausgeschütteten Gewinns aus der Bemessungsgrundlage zu nehmen, wenn dieser Betrag binnen drei Jahren in zugelassene Investitionen auf den Inseln fließt. Die Details und Grenzen beschreibt die Agencia Tributaria zur Reserva para Inversiones en Canarias.
ZEC. Die Sonderzone ist der bekannteste Anreiz: ein Körperschaftsteuersatz von 4 Prozent statt des allgemeinen Satzes von 25 Prozent, allerdings nur für qualifizierende Erträge und unter strengen Auflagen. Ein Unternehmen muss sich im ZEC-Register eintragen, binnen zwei Jahren mindestens 100.000 Euro (auf Teneriffa und Gran Canaria) beziehungsweise 50.000 Euro (auf den übrigen Inseln) in Anlagevermögen investieren und mindestens fünf Arbeitsplätze (Teneriffa und Gran Canaria) beziehungsweise drei (übrige Inseln) schaffen. Die Tätigkeit muss auf einer zugelassenen Liste stehen, und der 4-Prozent-Satz greift nur bis zu beschäftigungsabhängigen Obergrenzen. Die EU-Kommission hat die Geltung der ZEC bis Ende 2032 verlängert; Neueintragungen sind bis Ende 2026 möglich. Die Bedingungen führt die Agencia Tributaria zur Zona Especial Canaria auf.
Zur Einordnung: Reine Remote-Angestellte profitieren vor allem vom niedrigen IGIC, nicht automatisch vom 4-Prozent-Satz der ZEC, der sich an Firmen mit echter Substanz richtet. Wer selbstständig wird, klärt am besten vor dem Umzug Rechtsform und Anmeldung. Den Einstieg erklärt der Leitfaden Autónomo anmelden, die Wahl der Form der Vergleich SL gründen oder Autónomo. Für ortsunabhängiges Arbeiten lohnt der Blick auf das Digitale-Nomaden-Visum und seine Steuern. Alle drei Regime sind an Voraussetzungen gebunden, deren Erfüllung im Einzelfall geprüft werden muss.
Das Klima ist für die meisten Auswanderer der Hauptgrund. Die Kanaren liegen auf Höhe der Sahara, doch der kühle Kanarenstrom und die beständigen Passatwinde halten die Temperaturen das ganze Jahr mild. Echte Jahreszeiten fehlen, weshalb oft vom "ewigen Frühling" die Rede ist. Tagestemperaturen bewegen sich an der Küste meist zwischen rund 20 und 28 Grad.
Innerhalb einer Insel können die Unterschiede groß sein. Auf Teneriffa und Gran Canaria trennt das Bergland einen feuchteren, grüneren Norden von einem trockenen, sonnigen Süden. Lanzarote und Fuerteventura sind flacher, trockener und windiger. Ein wiederkehrendes Wetterphänomen ist die Calima, eine heiße, staubige Luftströmung aus der Sahara, die für einige Tage Sicht und Luftqualität verschlechtern kann.
Für Pendler und Familien mit Angehörigen in Deutschland zählt die Flugverbindung. Die vier Hauptinseln haben eigene Flughäfen, betrieben von Aena:
Direktverbindungen nach Deutschland bestehen vor allem zu Teneriffa und Gran Canaria, mit Winterausdünnung zu kleineren Zielen. Zwischen den Inseln verkehren Fähren und kurze Inlandsflüge. Für die kleineren Inseln La Palma, La Gomera und El Hierro ist die Anreise aus Deutschland meist nur mit Umstieg möglich.
Die öffentliche Gesundheitsversorgung läuft über den Servicio Canario de la Salud (SCS), den Gesundheitsdienst der Kanaren, mit großen öffentlichen Krankenhäusern auf Teneriffa und Gran Canaria und kleineren Häusern auf den übrigen Inseln. In den touristisch geprägten Regionen gibt es zusätzlich Privatkliniken, teils mit deutschsprachigem Personal. Wie der Zugang über die individuelle Gesundheitskarte (Tarjeta Sanitaria) funktioniert, gehört zu den ersten Schritten nach dem Umzug.
Der Behördenweg ist derselbe wie überall in Spanien, nur die zuständigen Ämter sind lokal. Am Anfang stehen die Ausländer-Identifikationsnummer (NIE), die Anmeldung im Melderegister (Empadronamiento, padrón) beim Rathaus der Wohngemeinde und die Registrierung als Resident (Residencia). Termine bei der Ausländerbehörde (Extranjería) laufen über die Online-Terminvergabe (Cita previa). Steuerlich ist die wichtigste Frage, ob und ab wann man als in Spanien ansässig gilt, denn daran hängen IRPF und die Anwendung der kanarischen Regime.
Bei den Lebenshaltungskosten ziehen zwei Effekte gegeneinander. Viele Waren müssen importiert werden, was einen Aufschlag bedeutet, vor allem auf den kleineren Inseln. Gleichzeitig dämpft der niedrige IGIC die Endpreise vieler Güter und Dienstleistungen. Unterm Strich sind die Kanaren bei Wohnen und Alltag oft günstiger als Mallorca oder die teuren Festlandsküsten, aber kein generelles Niedrigpreisziel.
Die Mieten variieren stark nach Insel und Lage: Touristische Südregionen sind teurer als Hauptstädte und ländliche Gegenden. Alle Beträge sind Richtwerte (Stand 2026) und keine garantierten Preise. Wie sich die Posten spanienweit einordnen, zeigt der Überblick zu den Lebenshaltungskosten in Spanien.
Wegen des Steuerregimes lohnt auf den Kanaren früh eine fachliche Einordnung, vor allem für Selbstständige und Unternehmer. Für den Start sind diese Fachleute relevant:
Welche deutschsprachigen Anbieter auf den Kanaren aktiv sind und welche Inseln und Orte dazugehören, bündelt der Orte-Hub Kanaren. Den größeren Rahmen der Regionenwahl in Spanien gibt der Überblick: Wohin in Spanien auswandern.
Nein. Die Einkommensteuer (IRPF) gilt für Residenten genauso wie im Rest Spaniens. Die Vorteile liegen bei den indirekten Steuern, vor allem dem niedrigen IGIC von 7 Prozent statt 21 Prozent IVA, und bei an Bedingungen geknüpften Anreizen wie der RIC und der ZEC für Firmen. Diese Regime helfen vor allem Unternehmen und Selbstständigen, nicht automatisch jedem Zuzügler.
Der IGIC (Impuesto General Indirecto Canario) ist die kanarische Mehrwertsteuer. Der allgemeine Satz liegt bei 7 Prozent statt der 21 Prozent IVA auf dem Festland, dazu kommen ein ermäßigter Satz von 3 Prozent und ein Nullsatz für Grundnahrungsmittel, Arzneimittel und Bücher. Erklärt wird der IGIC bei der Agencia Tributaria Canaria, nicht beim spanischen Finanzamt.
Die Zona Especial Canaria (ZEC) gewährt qualifizierenden Unternehmen einen Körperschaftsteuersatz von 4 Prozent statt des allgemeinen Satzes von 25 Prozent. Bedingungen sind unter anderem ein Registereintrag, eine Mindestinvestition von 100.000 Euro auf Teneriffa und Gran Canaria oder 50.000 Euro auf den übrigen Inseln und mindestens fünf beziehungsweise drei neue Arbeitsplätze. Die Tätigkeit muss auf einer zugelassenen Liste stehen.
Das hängt vom Typ ab. Teneriffa hat die größte deutsche Community und gute Infrastruktur, Gran Canaria bietet echtes Stadtleben um Las Palmas, Lanzarote ist ruhig und vulkanisch geprägt, Fuerteventura punktet mit Stränden und Wassersport. Familien achten auf Schulen und Anbindung, Rentner und Ruhesuchende eher auf ein gelassenes Umfeld.
Vor allem über den niedrigen IGIC bei Einkäufen vor Ort. Den 4-Prozent-Satz der ZEC bekommen sie nicht automatisch, denn der richtet sich an Firmen mit echter Substanz, Investition und Personal auf den Inseln. Wer ortsunabhängig arbeitet, sollte vorab die steuerliche Ansässigkeit und die passende Rechtsform klären.
Mild und ausgeglichen das ganze Jahr, oft "ewiger Frühling" genannt. Kanarenstrom und Passatwinde halten die Temperaturen trotz der Lage auf Höhe der Sahara meist zwischen rund 20 und 28 Grad. Innerhalb der größeren Inseln ist der Norden grüner und feuchter, der Süden trockener und sonniger.
Zuletzt aktualisiert: 5. Juni 2026
Keine Steuerberatung - Einzelfall prüfen lassen. Steuersätze, Schwellen und die Bedingungen von IGIC, RIC und ZEC sind Richtwerte (Stand 2026) und ändern sich; die Steuervorteile sind an Auflagen geknüpft, deren Erfüllung von einem spanischen Steuerberater im Einzelfall zu prüfen ist.