
Als Autónomo (Selbstständiger) wirst du mit der progressiven Einkommensteuer (IRPF) besteuert und haftest mit deinem Privatvermögen. Eine SL, die spanische GmbH, zahlt rund 25 Prozent Körperschaftsteuer und beschränkt die Haftung. Für viele lohnt der Wechsel erst ab einem stabilen Jahresgewinn von etwa 40.000 bis 60.000 Euro.
Die Entscheidung zwischen Autónomo und Sociedad Limitada ist eine der wichtigsten für Selbstständige in Spanien. Sie betrifft Steuern, Haftung und Aufwand gleichzeitig und lässt sich später nur mit Aufwand ändern. Dieser Vergleich zeigt die Unterschiede und hilft dir einzuordnen, ab wann sich die SL wirklich rechnet.
Der Autónomo ist eine natürliche Person, die selbstständig tätig ist. Du und dein Geschäft sind steuerlich und rechtlich dasselbe. Die SL (Sociedad Limitada) ist dagegen eine eigene juristische Person, die du gründest und der du Kapital gibst. Sie hat eigene Konten, eine eigene Steuererklärung und eine eigene Haftung.
Daraus folgt fast alles Weitere: Als Autónomo ist alles schlanker, aber du trägst das volle Risiko. Mit einer SL trennst du dein Privatvermögen vom Geschäft und kannst steuerlich anders gestalten, hast aber mehr Pflichten und Kosten. Der Autónomo ist der Standard für den Start und für kleinere Tätigkeiten. Die SL wird interessant, wenn Gewinn, Risiko oder die Struktur wachsen.
Ein häufiges Missverständnis vorweg: Die SL ist nicht automatisch professioneller oder steuerlich besser. Sie ist ein Werkzeug, das in bestimmten Situationen passt und in anderen nur Aufwand erzeugt. Die richtige Wahl hängt von deinen konkreten Zahlen und Zielen ab, nicht vom Image der Rechtsform.
Der wichtigste Unterschied liegt in der Steuer. Als Autónomo zahlst du die progressive Einkommensteuer auf deinen Gewinn. Die SL zahlt die Körperschaftsteuer (Impuesto sobre Sociedades) mit einem festen Satz.
| Merkmal | Autónomo | SL (Sociedad Limitada) |
|---|---|---|
| Steuer | IRPF, progressiv (rund 19–47 %, regional bis ~54 %) | Impuesto sobre Sociedades |
| Satz | steigt mit dem Gewinn | allgemein 25 %, Neugründer 15 % in den ersten Gewinnjahren |
| Zusätzlich | – | ausgeschüttete Dividende beim Gesellschafter zusätzlich (Spartarif 19–30 %) |
| Verlustverrechnung | im IRPF begrenzt | Verluste mit künftigen Gewinnen verrechenbar |
Der feste Satz der SL klingt zunächst günstig, hat aber einen Haken: die Doppelbesteuerung. Der Gewinn der SL wird zuerst mit der Körperschaftsteuer belastet. Wenn du dir den verbleibenden Gewinn als Dividende ausschüttest, zahlst du darauf noch einmal Steuer, nämlich den Spartarif von 19 bis 30 Prozent. Die genauen IRPF- und Spartarif-Stufen findest du im Artikel zu den IRPF-Steuersätzen.
In der Praxis zahlst du dir als Gesellschafter-Geschäftsführer meist ein Gehalt. Dieses Gehalt mindert den Gewinn der SL und wird bei dir als Arbeitslohn nach der normalen IRPF besteuert. Die Kunst liegt in der Mischung aus Gehalt und Ausschüttung. Genau deshalb ist der Steuervorteil der SL keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Frage der Gestaltung.
Eine Neuerung für 2026: Sehr kleine Gesellschaften mit einem Umsatz unter einer Million Euro profitieren von einer ermäßigten Staffel, bei der die ersten 50.000 Euro mit 19 Prozent und der Rest mit 21 Prozent besteuert werden. Solche Sätze ändern sich aber häufig und sollten vor der Entscheidung aktuell geprüft werden.
Der zweite große Unterschied ist die Haftung. Als Autónomo haftest du grundsätzlich mit deinem gesamten Privatvermögen für die Schulden deiner Tätigkeit. Geht etwas schief, sind im Zweifel auch dein Erspartes und dein Vermögen betroffen.
Die SL beschränkt die Haftung grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen. Dein privates Vermögen bleibt im Normalfall außen vor. Das ist der Hauptgrund, warum risikobehaftete oder kapitalintensive Tätigkeiten oft als SL geführt werden.
Diese Beschränkung ist allerdings nicht absolut. Wer als Geschäftsführer Pflichten verletzt, für Kredite persönlich bürgt oder Steuern und Sozialabgaben nicht abführt, kann trotz SL persönlich in Anspruch genommen werden. Die beschränkte Haftung schützt vor dem normalen Geschäftsrisiko, nicht vor eigenem Fehlverhalten.
Hier punktet der Autónomo. Die Anmeldung ist schlank, die laufenden Pflichten sind überschaubar, und du brauchst keine notarielle Gründung. Wie die Anmeldung und die laufenden Kosten als Autónomo aussehen, zeigen die Artikel dazu.
Die SL ist aufwendiger. Du gründest sie beim Notar, trägst sie ins Handelsregister (Registro Mercantil) ein und führst eine doppelte Buchhaltung mit Jahresabschluss. Das bedeutet höhere laufende Kosten für Gestor oder Steuerberater. Das Mindestkapital wurde mit dem Gesetz Crea y Crece 2022 von 3.000 Euro auf einen Euro gesenkt. Wer aber mit weniger als 3.000 Euro gründet, muss 20 Prozent des Gewinns in eine gesetzliche Rücklage legen, bis Kapital und Rücklage zusammen 3.000 Euro erreichen, und haftet bei einer Liquidation solidarisch bis zu dieser Differenz. Der eine Euro ist also eher symbolisch als praktisch.
Ein oft übersehener Punkt ist die Sozialversicherung des Gesellschafter-Geschäftsführers. Wer eine SL führt und maßgeblich beteiligt ist, meldet sich in der Regel als sogenannter autónomo societario im System für Selbstständige an. Die Beiträge fallen also auch bei der SL an, und für den autónomo societario gilt häufig eine höhere Mindestbeitragsbasis als für einen normalen Autónomo. Die SL spart dir die Sozialabgaben somit nicht, das gehört in jede ehrliche Vergleichsrechnung.
Das ist die entscheidende Frage, und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an. Als grobe Orientierung wird die SL häufig ab einem stabilen Jahresgewinn von etwa 40.000 bis 60.000 Euro interessant. Der Grund ist die Steuermechanik: Bei niedrigem Gewinn bleibt der Autónomo dank der niedrigen IRPF-Stufen und Freibeträge oft günstiger. Steigt der Gewinn, wird der feste Körperschaftsteuersatz attraktiver als der hohe Grenzsteuersatz der progressiven Skala.
Entscheidend ist aber, wie viel du tatsächlich entnimmst. Wer den gesamten Gewinn sofort als Dividende ausschüttet, verliert durch die Doppelbesteuerung einen Teil des Vorteils. Wer Gewinne in der Gesellschaft belässt oder reinvestiert, profitiert stärker vom niedrigen Körperschaftsteuersatz. Deshalb lässt sich die Schwelle nicht pauschal festlegen. Eine Beispielrechnung mit deinen echten Zahlen ist hier mehr wert als jede Faustregel.
Ein vereinfachtes Beispiel macht das deutlich. Bei 80.000 Euro Gewinn zahlt ein Autónomo nach der progressiven Skala vor Abzügen grob 27.000 Euro Einkommensteuer, also einen effektiven Satz um 34 Prozent. Eine SL zahlt auf denselben Gewinn 25 Prozent Körperschaftsteuer, also 20.000 Euro, solange der Gewinn in der Gesellschaft bleibt. So weit liegt die SL vorn. Schüttet der Gesellschafter den verbleibenden Gewinn aber komplett als Dividende aus, kommt der Spartarif obendrauf, und der Vorsprung schmilzt oder verschwindet ganz. Die SL spielt ihren Vorteil also vor allem dann aus, wenn nicht der gesamte Gewinn sofort privat entnommen wird. Das Beispiel ist bewusst vereinfacht und lässt Gehalt und Sozialabgaben außen vor, zeigt aber das Grundmuster.
Wenn die SL die richtige Wahl ist, läuft die Gründung in mehreren Schritten:
Danach gelten die laufenden Pflichten, darunter die quartalsweisen Erklärungen, die auch Autónomos kennen. Wie diese IVA- und IRPF-Quartalserklärungen funktionieren, erklärt der eigene Artikel dazu.
Viele starten als Autónomo und gründen die SL erst, wenn das Geschäft wächst. Das ist ein gangbarer Weg, weil du am Anfang den geringen Aufwand nutzt und erst dann auf die Gesellschaft umstellst, wenn sich der höhere Aufwand lohnt.
Der Wechsel ist aber kein bloßer Formwechsel auf Knopfdruck. Du gründest eine neue Gesellschaft, überträgst gegebenenfalls Verträge, Kunden und Betriebsmittel und meldest deine Autónomo-Tätigkeit ab oder passt sie an, etwa wenn du weiterhin als Geschäftsführer tätig bist. Steuerlich und sozialversicherungsrechtlich entstehen dabei Übergangsfragen, die vorher geklärt sein sollten. Wer den Wechsel plant, sollte ihn zum Jahreswechsel oder zu einem klaren Stichtag vollziehen, damit die Abrechnung sauber bleibt. Ein überstürzter Wechsel mitten im Jahr schafft oft mehr Aufwand als Nutzen.
Eine einfache Orientierung:
Wichtig ist, nicht nur auf den Steuersatz zu schauen. Eine SL bringt auch Vorteile, die sich nicht in Prozenten messen lassen: einen seriöseren Auftritt gegenüber größeren Kunden, eine klarere Trennung von privat und geschäftlich und die Möglichkeit, Partner aufzunehmen. Umgekehrt kostet sie Zeit und Geld für Buchhaltung und Formalpflichten, die gerade am Anfang schwer wiegen. Rechne den gesamten Aufwand gegen den steuerlichen Vorteil, nicht nur die Steuer allein.
Beziehe auch deine längerfristige Planung ein. Wer mit Unternehmensanteilen später wieder wegzieht, sollte die deutsche Wegzugsbesteuerung kennen, die bei Anteilen an Kapitalgesellschaften greifen kann. Der Artikel zur Wegzugsbesteuerung ordnet das ein.
Weil Steuer, Haftung und Gesellschaftsrecht zusammenkommen, ist die Rechtsformwahl ein klassischer Fall für eine Beispielrechnung mit Fachberatung. Einen deutschsprachigen Steuerberater oder Anwalt in Spanien, der deine Zahlen durchrechnet und die Gründung begleitet, findest du über unser Verzeichnis.
Bei moderatem Gewinn und geringem Risiko ist der Autónomo meist einfacher und günstiger. Die SL lohnt sich eher bei stabil hohem Gewinn, hohem Haftungsrisiko oder wenn du Gewinne reinvestierst.
Als Faustregel ab einem stabilen Jahresgewinn von etwa 40.000 bis 60.000 Euro, abhängig davon, wie viel du entnimmst. Eine Beispielrechnung mit deinen Zahlen ist verlässlicher als jede pauschale Schwelle.
Der allgemeine Satz liegt 2026 bei 25 Prozent. Neugegründete Gesellschaften zahlen in den ersten Jahren mit positivem Ergebnis 15 Prozent. Für sehr kleine Gesellschaften gilt eine ermäßigte Staffel.
Seit dem Gesetz Crea y Crece 2022 reicht ein Euro Mindestkapital. Wer unter 3.000 Euro gründet, muss aber Gewinne in eine Rücklage legen und haftet bei Liquidation bis zu dieser Differenz.
Als Autónomo haftest du mit deinem gesamten Privatvermögen. Die SL beschränkt die Haftung grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen, außer bei Bürgschaften oder Pflichtverletzungen.
In den Schritten Firmenname reservieren, Kapital einzahlen, Gründung beim Notar, NIF und Eintragung ins Handelsregister, steuerliche Anmeldung über das Modelo 036 und Klärung der Sozialversicherung des Geschäftsführers.
Zuletzt aktualisiert: 03.06.2026 Autor: Spanienberater Redaktion
Keine Steuerberatung - Einzelfall prüfen lassen. Die Wahl zwischen Autónomo und SL hängt von Gewinn, Entnahme, Haftung und Planung ab. Steuersätze und Schwellen ändern sich jährlich. Die Angaben entsprechen dem Recherchestand 2026 und ersetzen keine individuelle Beratung. Lass die Vorteilhaftigkeit mit deinen echten Zahlen prüfen.