
Die Beckham Law ist ein spanisches Sondersteuerregime nach Artikel 93 des Einkommensteuergesetzes (LIRPF). Wer neu nach Spanien zieht, versteuert sein Arbeitseinkommen sechs Jahre lang pauschal mit 24 Prozent bis 600.000 Euro statt mit der progressiven Skala bis 47 Prozent. Die meisten ausländischen Einkünfte bleiben in Spanien steuerfrei.
Das Regime ist für viele gut verdienende Zuzügler attraktiv, aber es ist an strenge Voraussetzungen und eine Frist gebunden, und es lohnt sich nicht für jeden. Dieser Leitfaden erklärt, wie die Steuerwirkung genau aussieht, wer qualifiziert ist, was sich mit der Reform 2023 geändert hat und wo die Fallstricke liegen.
Der offizielle Name ist sperrig: „Régimen especial (Sonderbesteuerung für Zugezogene) para trabajadores, profesionales, emprendedores e inversores desplazados a territorio español", also das Sonderregime für nach Spanien entsandte Arbeitnehmer, Fachkräfte, Unternehmer und Investoren. Bekannt wurde es als Beckham Law, weil der Fußballer David Beckham einer der ersten prominenten Nutzer war. Profisportler sind heute allerdings ausdrücklich ausgeschlossen.
Der Kern: Wer das Regime nutzt, wird steuerlich wie ein Nicht-Resident behandelt, obwohl er in Spanien lebt. Statt sein Welteinkommen nach der progressiven IRPF-Skala (Einkommensteuer) zu versteuern, zahlt er einen pauschalen Satz auf sein Arbeitseinkommen und lässt die meisten ausländischen Einkünfte außen vor. Geregelt ist das in Artikel 93 LIRPF.
Du bleibst dabei ein normaler Resident im Sinne des Aufenthalts und der übrigen Verwaltung, nur die Besteuerung folgt für sechs Jahre den Regeln für Nicht-Residenten. Das ist ein bewusstes Steuerprivileg, mit dem Spanien internationale Fachkräfte, Führungskräfte und seit der Reform auch Remote Worker und Gründer anziehen will. Wie es in das gesamte spanische Steuersystem passt, ordnet der allgemeine Steuer-Leitfaden ein. Entsprechend genau prüft die Hacienda (spanisches Finanzamt), ob die Voraussetzungen wirklich erfüllt sind.
Der zentrale Vorteil ist der feste Satz. Unter der Beckham Law gilt:
Zum Vergleich: Nach der normalen progressiven Skala erreichst du den Bereich um 45 Prozent je nach Region schon ab rund 60.000 Euro. Wer also 120.000 Euro verdient, zahlt unter der normalen Skala auf große Teile seines Einkommens deutlich mehr als 24 Prozent, während die Beckham Law durchgehend 24 Prozent ansetzt. Genau hier entsteht die Ersparnis. Wie die normale Skala im Detail aussieht, zeigt der Artikel zu den IRPF-Steuersätzen.
Der Effekt kehrt sich bei niedrigeren Gehältern um. Wer wenig verdient, profitiert von den niedrigen Eingangsstufen und dem Grundfreibetrag der normalen Skala und kann damit unter 24 Prozent liegen. Die Beckham Law ist deshalb vor allem ein Vorteil für höhere Einkommen.
Ein konkretes Beispiel macht den Unterschied greifbar. Angenommen, du verdienst 120.000 Euro Arbeitseinkommen im Jahr. Unter der Beckham Law zahlst du darauf pauschal 24 Prozent, also 28.800 Euro.
Unter der normalen progressiven Skala zerlegt sich dasselbe Einkommen in Stufen:
| Stufe | Betrag | Satz | Steuer |
|---|---|---|---|
| bis 12.450 € | 12.450 € | 19 % | 2.365,50 € |
| 12.450–20.200 € | 7.750 € | 24 % | 1.860,00 € |
| 20.200–35.200 € | 15.000 € | 30 % | 4.500,00 € |
| 35.200–60.000 € | 24.800 € | 37 % | 9.176,00 € |
| 60.000–120.000 € | 60.000 € | 45 % | 27.000,00 € |
| Summe | 120.000 € | 44.901,50 € |
Vor Abzügen stünden also rund 44.900 Euro gegen 28.800 Euro unter der Beckham Law. Selbst nach Berücksichtigung des Grundfreibetrags bleibt unter der normalen Skala eine Belastung von über 43.000 Euro. Die Ersparnis liegt in diesem Beispiel bei rund 15.000 Euro pro Jahr, über die sechs Jahre also im sechsstelligen Bereich. Genau diese Größenordnung macht das Regime für gut verdienende Zuzügler so interessant. Bei einem Gehalt von 40.000 Euro dagegen schrumpft der Vorteil stark oder verschwindet, weil die normale Skala dort im Schnitt schon unter oder nahe 24 Prozent liegt. Wie groß dein persönlicher Vorteil ausfällt, schätzt du mit unserem Beckham-Gesetz-Rechner, der das Regime direkt mit der regulären Besteuerung deiner Region vergleicht.
Hier wird es oft falsch dargestellt. Die verbreitete Aussage „unter der Beckham Law sind alle Auslandseinkünfte steuerfrei" stimmt so nicht. Richtig ist eine Unterscheidung:
Diese Trennung ist der eigentliche Hebel. Ein Expat mit hohem Gehalt und zusätzlichem Kapitalvermögen im Ausland versteuert in Spanien nur das Gehalt zu 24 Prozent, während seine ausländischen Kapitalerträge dort außen vor bleiben. Spanische Einkünfte dagegen, etwa Zinsen von einer spanischen Bank, werden weiterhin als spanische Einkünfte besteuert.
Zwei weitere Vorteile kommen hinzu:
Ein wichtiger Sonderfall sind Kapitalerträge und Krypto. Ob ein Gewinn als ausländische Einkunft außen vor bleibt oder als spanische Einkunft besteuert wird, hängt von der Quelle und der Struktur ab. Bei Krypto-Gewinnen, ausländischen Brokern und gemischten Depots ist diese Zuordnung im Einzelfall schwierig und sollte nicht nach Bauchgefühl entschieden werden. Wer hier falsch einordnet, riskiert eine Nachforderung, die den Vorteil des Regimes auffrisst.
Das Regime steht nicht jedem offen. Die wichtigsten Voraussetzungen 2026:
| Voraussetzung | Inhalt |
|---|---|
| Keine frühere Ansässigkeit | In den 5 Steuerjahren vor dem Zuzug warst du nicht in Spanien steuerlich ansässig |
| Qualifizierter Zuzugsgrund | Der Umzug erfolgt aus einem der anerkannten Gründe (siehe unten) |
| Kein Profisportler | Profisportler sind ausdrücklich ausgeschlossen |
| Fristgerechter Antrag | Antrag über das Modelo 149 (amtliches Formular) innerhalb von 6 Monaten ab Beginn der Tätigkeit |
Die 5-Jahres-Regel ist neu: Früher waren es 10 Jahre, das Startup-Gesetz (Ley 28/2022) hat die Grenze ab 2023 auf 5 Jahre gesenkt. Damit kommen mehr Rückkehrer und Zuzügler infrage.
Als qualifizierte Zuzugsgründe gelten unter anderem:
Welcher Weg im Einzelfall greift und welche Beteiligungs- oder Nachweisbedingungen genau gelten, sollte vor dem Antrag fachlich geprüft werden, weil hier viele Anträge scheitern.
Das Startup-Gesetz hat das Regime spürbar geöffnet. Drei Gruppen sind seither neu oder klarer einbezogen:
Bei der Familienoption ist eine Bedingung besonders wichtig: Die Summe der Bemessungsgrundlagen der mitziehenden Familienmitglieder muss niedriger sein als die des Hauptanwenders. Die Familie kann also nicht unabhängig optieren, sondern hängt am Zuzug der Hauptperson. Auch der zeitliche Rahmen ist an deren Regime gekoppelt.
Genauso wichtig ist, wer außen vor bleibt. Häufige Fälle:
Drei Beispiele zeigen, für wen sich das Regime eignet und für wen nicht:
Diese Beispiele ersetzen keine Prüfung, zeigen aber das Muster: Je höher das Arbeitseinkommen und je klarer der Qualifikationsweg, desto eher lohnt sich die Beckham Law.
Ein häufiges Missverständnis: Die Beckham Law ist eine Steuerregel, keine Sozialversicherungsregel. Sie senkt deine Einkommensteuer auf das Arbeitseinkommen, ändert aber nichts an deiner Pflicht zur Sozialversicherung. Wer in Spanien angestellt ist, zahlt weiterhin die normalen Sozialabgaben, und wer als Remote Worker oder Geschäftsführer hineinkommt, klärt seine Sozialversicherung über die jeweils einschlägigen Regeln, etwa eine A1-Bescheinigung bei vorübergehender Entsendung oder die Anmeldung im spanischen System.
Steuer und Sozialversicherung folgen also getrennten Logiken. Das ist wichtig für die Gesamtrechnung: Die 24 Prozent betreffen nur die Steuer. Die Sozialabgaben kommen unabhängig davon hinzu und sollten in der Vorteilhaftigkeitsrechnung nicht vergessen werden.
Das Regime gilt für das Jahr des Zuzugs plus die fünf folgenden Jahre, insgesamt also sechs Jahre. Es ist nicht verlängerbar. Nach Ablauf wechselst du in die normale Besteuerung als Resident mit der progressiven Skala und der Welteinkommensbesteuerung.
Beantragt wird das Regime über das Modelo 149, und zwar innerhalb von sechs Monaten ab Beginn der Tätigkeit beziehungsweise der Anmeldung bei der Sozialversicherung. Diese Frist ist eine Ausschlussfrist: Wer sie verpasst, verliert den Zugang für diesen Zuzug. Die einzelnen Schritte des Antrags und die nötigen Unterlagen behandelt der Artikel zum Modelo 149.
Nach Ablauf des Regimes wirst du automatisch ein normaler Steuerresident. Ab dann gilt die progressive IRPF-Skala, dein Welteinkommen wird in Spanien besteuert, die Vermögenssteuer erfasst dein weltweites Vermögen, und das Modelo 720 kann wieder zur Pflicht werden. Dieser Wechsel kommt nicht überraschend, aber er sollte geplant werden, denn die Steuerlast kann danach deutlich steigen.
Manche strukturieren ihr Vermögen oder ihren Wohnsitz gegen Ende der sechs Jahre neu. Solche Schritte gehören in eine vorausschauende Beratung und nicht in eine Last-Minute-Aktion im letzten Jahr. Wer das Regime nutzt, sollte das Auslaufen von Anfang an im Blick haben, gerade wenn größeres Vermögen oder laufende ausländische Einkünfte im Spiel sind.
Das Regime ist mächtig, aber fehleranfällig. Die häufigsten Stolperfallen:
Wer das Regime nutzt, sollte außerdem wissen, dass es sich nur einmal pro Zuzug beantragen lässt. Ein verspäteter oder fehlerhafter Antrag lässt sich nicht einfach im Folgejahr nachholen. Diese Einmaligkeit macht die saubere Vorbereitung vor dem Umzug so wichtig.
Eine Vorteilhaftigkeitsprüfung beantwortet die einzige Frage, die zählt: Zahlst du unter dem Regime tatsächlich weniger als unter der normalen Skala? Eine erste Schätzung dieser Differenz liefert der Beckham-Gesetz-Rechner. Als grobe Orientierung lohnt sich die Beckham Law vor allem ab einem Arbeitseinkommen, das deutlich in die oberen Stufen der normalen Skala reicht, und besonders dann, wenn zusätzlich ausländisches Kapitalvermögen vorhanden ist, das unter dem Regime in Spanien steuerfrei bleibt.
Weil die Voraussetzungen streng, die Frist kurz und die Steuerwirkung komplex sind, ist das Beckham-Regime einer der Fälle, in denen sich fachliche Beratung fast immer rechnet. Idealerweise klärst du die Qualifikation und die Vorteilhaftigkeit schon vor dem Umzug, weil sich Zuzugsgrund und Startdatum danach kaum noch ändern lassen. Einen deutschsprachigen Steuerberater in Spanien, der die Vorteilhaftigkeit prüft und den Antrag fristgerecht stellt, findest du über unser Verzeichnis.
Ein Sondersteuerregime nach Art. 93 LIRPF. Wer neu nach Spanien zieht, wird sechs Jahre lang wie ein Nicht-Resident besteuert und zahlt auf sein Arbeitseinkommen pauschal 24 Prozent bis 600.000 Euro.
Du darfst in den 5 Jahren vor dem Zuzug nicht in Spanien steuerlich ansässig gewesen sein, brauchst einen qualifizierten Zuzugsgrund (Arbeitsvertrag, Geschäftsführung, Teletätigkeit oder unternehmerische Tätigkeit) und musst fristgerecht über das Modelo 149 beantragen. Profisportler sind ausgeschlossen.
Statt der progressiven Skala bis 47 Prozent zahlst du 24 Prozent auf das Arbeitseinkommen bis 600.000 Euro. Der Vorteil wächst mit dem Gehalt. Bei niedrigen Einkommen kann die normale Skala günstiger sein.
Digital Nomads mit internationalem Teletätigkeits-Visum können das Regime nutzen. Der klassische Autónomo ohne Qualifikationsweg in der Regel nicht, es sei denn über eine unternehmerische oder innovative Tätigkeit.
Sechs Jahre: das Jahr des Zuzugs plus fünf Folgejahre. Eine Verlängerung ist nicht möglich.
Dein Arbeitseinkommen wird weltweit in Spanien besteuert. Übrige ausländische Einkünfte wie Dividenden, Zinsen oder Auslandsmieten sind in Spanien in der Regel nicht steuerpflichtig.
Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2026
Keine Steuerberatung - Einzelfall prüfen lassen. Das Beckham-Regime hängt von deinem Zuzugsgrund, deiner Einkunftsstruktur und der fristgerechten Antragstellung ab. Voraussetzungen, Sätze und Bedingungen können sich ändern und sind im Einzelfall komplex. Die Angaben entsprechen dem Recherchestand 2026 und ersetzen keine individuelle Beratung. Lass die Vorteilhaftigkeit und deine Qualifikation vor dem Umzug prüfen.